Kurzvita

 

Dr. Ernst Bruckenberger

Bruckenberger

Zur Person:

Geboren am 02.04.1940 in Gmunden/Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaften, Promotion, Tätigkeit in der Industrie und in der Sozialversicherung (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt Linz). Von 1971 bis 1979 wissenschaftlicher Berater und Gutachter beim Deutschen Krankenhausinstitut e.V., Düsseldorf, Institut in Zusammenarbeit mit der Universität Düsseldorf. Von 1979 bis Anfang 2004 Referatsleiter für Krankenhausplanung, -finanzierung und -bauplanung im Niedersächsischen Sozialministerium. Leitender Ministerialrat a. D., Lehrbeauftragter der Medizinischen Hochschule Hannover. Berater- und Expertentätigkeit.

Literatur:

Drei Bücher: E. Bruckenberger; "Planungsanspruch und Planungswirklichkeit im Gesundheitswesen" (Kohlhammer,1978), E.Bruckenberger; "Dauerpatient Kranken-haus" (Lambertus,1989) und E. Bruckenberger, S. Klaue, H-P.Schwintowski; „Kran-kenhausmärkte zwischen Regulierung und Wettbewerb“ (Springer, 2005). Zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge über die Krankenhausfinanzierung und -planung, die Abstimmung beim Einsatz medizinisch-technischer Großgeräte, die Kooperation zwischen Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen, die kooperative Regionalisierung, die Auswirkungen des DRG-Systems, die Probleme der  Mindestmengenregelung und eine bundesweite jährliche sektorenübergreifende Gesundheitsberichterstattung zur Kardiologie und Herzchirurgie („Herzberichte“).

Zum Werk:

Verantwortlich für 25 Jahre Krankenhausfinanzierung und -planung in Niedersachsen von 1979 bis 2004 (Der durchgehende „rote Faden“ in diesem Zeitraum war das Anstreben von sektorenübergreifenden Lösungen):

ab 1979

Umsetzung einer freiwilligen „Aktiven Kooperation“ beim Einsatz von medizinisch-technischen Großgeräten zwischen Krankenhäusern und Praxen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Qualitätssicherung. Einstieg in eine formelle Großgeräteabstimmung. Bildung des ersten „Standortplanungsausschusses“ unter Beteiligung der Kassenärztlichen Vereinigung in Deutschland.

1984

Entwicklung eines Konzeptes für ein mobiles Lithotriptersystem.

1985

Verabschiedung des kürzesten Krankenhausfinanzierungsgesetzes Deutschlands  (14 Paragraphen, bis jetzt unverändert in Kraft).

Erarbeitung eines „bürokratiearmen“ Niedersächsischen Krankenhausplanes. Inzwischen gibt es die 19. Fortschreibung.

Basis ist „der tatsächlich zu versorgende Bedarf“ und nicht ein „wünschenswerter“. Bestätigung dieser Bedarfsdefinition durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes.

1991

Erarbeitung der Grundlagen für die Krankenhausplanung, die Standortplanung medizinisch-technischer Großgeräte und die Investitionsplanung des Landes Sachsen-Anhalt.

1992

und des Landes Thüringen.

1992

Umsetzung von integrierten Versorgungskonzepten (stationäre Krankenversorgung, medizinische Rehabilitation) für Geriatrie, Schwerst-Schädel-Hirnverletzte und Herzchirurgie mit Hilfe des „Koordinationskreises Rehabilitation“.

1995

Flächendeckende „Strukturgespräche zur stationären Krankenversorgung“.
Mit den Strukturgesprächen soll ein angemessenes Problembewusstsein für die sich verändernde Versorgungslandschaft geschaffen und, soweit möglich, pragmatische Lösungen für Angebotsveränderungen und Kooperationen ("Verzahnung") zwischen den verschiedenen ambulanten, teilstationären und stationären Leistungsbereichen (Akutversorgung, Rehabilitation, Pflege) angeregt werden.

Konkretisierung des Versorgungsauftrages der Krankenhäuser durch flächendeckende „ergänzende Vereinbarungen“ zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen.

1996

„Aktualisierte Arbeitsunterlagen für die Strukturgespräche“ aufgrund der großen Nachfrage.

2001

„Kooperative Regionalisierung der Krankenversorgung in Niedersachsen“. Die zur Verfügung gestellten umfangreichen Unterlagen sollen Hilfestellungen bei der Moderation von sektorenübergreifenden Lösungen geben, aber auch den Leistungsanbietern und anderen ermöglichen, notwendige Abstimmungen selbst in Angriff zu nehmen.

Anfang 2003

„Selbststeuerung durch Transparenz“. Damit soll eine bürokratiearme Rahmenplanung mit hoher Eigenverantwortung der Leistungsanbieter erreicht werden.

Ende 2003

Im Krankenhausplanungsausschuss einvernehmlich abgestimmtes „Konzept für die künftige Krankenhausstruktur in Niedersachsen“ mit der Festlegung von verbindlichen Auswahlkriterien zur Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit sowie der Auswahl von Investitionsmaßnahmen. Die öffentlich zugängige Transparenz der Leistungsstruktur und -menge ist nach wie vor bundesweit ohne Vergleich.

Ergebnis

der 25jährigen Krankenhausplanung in Niedersachsen

  • Niedersachsen hat im Ländervergleich bei der Bettendichte (Betten pro Einwohner) und bei der Großgerätedichte den niedrigsten Wert. Von 1979-2004 gab es keine Inanspruchnahme von externen Beratungsleistungen. Für das Land bedeutete dies Einsparungen in Millionenhöhe.

  • Die Kooperationsbereitschaft zwischen den Leistungsanbietern, die Transparenz der stationären Leistungsstrukturen und die Bereitschaft zu einvernehmlichen Lösungen im Planungsausschuss war überdurchschnittlich gut ausgeprägt. Als Folge der lösungs- und ergebnisorientierten Einstellung der an den Entscheidungen wesentlich Beteiligten gab es ein vergleichsweise geringes Konfliktpotential.


Auszug aus dem Report der Niedersächsischen Ersatzkassen, April 2004
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des VdAK/AEK Niedersachsen)

Landeskrankenhausplaner Bruckenberger im Ruhestand
Anerkennung für ein Lebenswerk

von
JORG NIEMANN, Leiter der VdAK/AEV-Landesvertretung Niedersachsen

Ein viertel Jahrhundert hat Dr. Ernst Bruckenberger die Krankenhausversorgung in Niedersachsen als Referatsleiter im Sozialministerium entscheidend mitgeprägt. Zum 1. März nun ist er in den Ruhestand eingetreten. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auf die näheren Umstände des vorzeitigen Abschieds wird an dieser Stelle nicht eingegangen, weil Fragen des Beamtenrechts nicht durch einen Krankenkassenverband zu bewerten sind. Demgegenüber kann ein Kassenverband sehr wohl etwas über Bruckenbergers Leistung sagen, die Krankenhausplanung und Investitionskostenfinanzierung für das finanziell chronisch klamme Land Niedersachsen als bundesweit anerkannter Experte gemanagt und die stets zu knappen Finanzmittel halbwegs gerecht auf sinnvolle Investitionsprojekte verteilt zu haben.

Bundesweit beispielhaftes Konzept entwickelt
"Wenn es um die Zukunft der Krankenhäuser in Niedersachsen ging, wurde es früher oft nur hinter verschlossenen Türen spannend. Heute stehen die wichtigsten Daten im Internet." So würdigte die VdAK/AEV-Landesvertretung im Januar das neue Krankenhauskonzept des Sozialministeriums. Unter der Überschrift "Selbststeuerung durch Transparenz“ stellt es den vorläufigen Abschluss einer langjährigen Weiterentwicklung der Krankenhausplanung dar. Es legt eindeutige, nicht manipulierbare Kriterien für die Investitionsförderung fest und gibt Anregungen für strukturelle Verbesserungen bei der Versorgung etwa durch Zusammenschlüsse von Krankenhäusern. Gleichzeitig stellt das Land bis 2007 Investitionsmittel in Höhe von 480 Millionen Euro zur Schaffung einer zukunftssicheren Krankenhausstruktur in Niedersachsen bereit. Es war der Krankenhausplaner Bruckenberger, der diese wohl bundesweit beispielhafte Offenheit und Nochvollziehbarkeit maßgeblich entwickelt hat und dafür von allen Gruppen im Planungsausschuss und auch durch die Spitze des Niedersächsischen Sozialministeriums unterstützt wurde. Mit dem Konzept ist ein neues Kapitel der Krankenhausplanung aufgeschlagen worden.

Trends erkannt
Bruckenberger ist bundesweit ein hoch anerkannter Fachmann für Fragen der Krankenhausplanung, aber auch darüber hinaus. So gibt er seit nunmehr 15 Jahren den "Herzbericht (mit Transplantationschirurgie)" heraus, der alle relevanten Daten zur herzchirurgischen Versorgung in Deutschland enthält und inzwischen als Standardwerk gilt. In seinem eigentlichen Kerngebiet, der Investitionsplanung, hat er sich stets davon leiten lassen, den Krankenhäusern ein höchstmögliches Maß an Autonomie zuzugestehen, dabei aber auch frühzeitig neue Trends erkannt und aufgegriffen. Beispielhaft ist seine Unterstützung für alle Bestrebungen, den ambulanten Bereich durch Angliederung von Praxen auf das Krankenhausgelände stärker mit dem stationären Sektor zu verzahnen. "Kooperative Regionalisierung" lautete die Überschrift.

Anerkannte Kompetenz
Bei der Rehabilitation - einem Feld, in dem die Länder keine originäre gesetzliche Zuständigkeit haben - gelang es Bruckenberger, die Zusammenarbeit zwischen den Kostenträgern aus der Kranken- und Rentenversicherung in Niedersachsen in dem "Koordinationskreis Rehabilitation“ zu organisieren. Die Bereitschaft aller Beteiligten zur Zusammenarbeit war nicht zu verordnen, sie resultierte aus der Anerkennung der Kompetenz und den gemeinsamen Bemühungen um eine bessere Versorgung.

Dem Land Geld gespart
Durch Bruckenberger hat das Land Niedersachsen viel Geld gespart. Während andere Länder teure wissenschaftliche Gutachten erstellen ließen, die ihr wohlverdientes Ende entweder in tiefen Schubladen fanden oder mit hohen Kosten und noch höheren Folgekosten umgesetzt wurden, fanden sich in Niedersachsen viele pragmatische, sehr wohl auch zukunftsfähige Lösungen. So wurden für die Geriatrie, also die Versorgung alter Menschen, gemeinsam Schwerpunktkliniken festgelegt, um Mitarbeiter für dieses Aufgabengebiet zu qualifizieren und Wissen zu sammeln. Der Ausbau der herzchirurgischen Versorgung ist ebenso mit dem Namen Bruckenberger verbunden wie die Einsatzplanung medizinisch-technischer Großgeräte im ambulanten und stationären Sektor. Vorrangig ihm ist es zu verdanken, dass es meistens gelang, einvernehmliche Regelungen abzustimmen. Dabei stand die Optimierung der Patientenversorgung im Mittelpunkt seiner Überlegungen.

Zukunftsorientierter Pragmatismus
Wollte man Bruckenbergers Wirken zusammenfassend beschreiben, so scheint zukunftsorientierter Pragmatismus treffend. Der war auch gefragt, wenn es die stets zu knappen Finanzmittel zu verteilen galt. Auch wenn Bruckenberger nie einen Hehl daraus machte, dass Niedersachsen bei der Investitionsförderung bundesweit im Schlussdrittel liegt und damit entsprechender Kritik Nährboden gab, war es doch stets sein Ziel, mit diesen Mitteln die größtmögliche Wirkung für das Land zu erzielen. So konnten durch Co-Finanzierungen Investitionsvorhaben realisiert werden, deren Kosten deutlich über die eigentlichen Fördermittel des Landes hinausgingen.

Aufrichtiger Dank
Bruckenberger hat es seinen Partnern nicht immer leicht gemacht, weil er von seinen Fähigkeiten überzeugt war und dies auch gezeigt hat. Dennoch wurde von allen Beteiligten seine außerordentlich hohe Sachkompetenz, sein großes Wissen über die Versorgungsstrukturen und Zusammenhänge, seine Verlässlichkeit und seine Bemühungen um tragfähige, rechtsichere Lösungen geschätzt. In Zeiten des Vorruhestandes war es für ihn selbstverständlich, bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres seinen Beitrag für eine zukunftssichernde Investitionsförderung des Landes leisten zu wollen. Die Öffnungsmöglichkeiten für Krankenhäuser durch die Gesundheitsreform, die neuen Chancen für die integrierte Versorgung, all das waren Themen, die im Sinne des zukunftsorientierten Pragmatismus und seines Willens zur Gestaltung mit auf der Agenda standen. Die Arbeit werden nun andere fortsetzen müssen. Als langjährigen Partner im Bemühen um eine gute Krankenhausversorgung für die Menschen in Niedersachsen bleibt den Verbänden der Ersatzkassen, Herrn Dr. Ernst Bruckenberger aufrichtig zu danken und ihm alles Gute für einen wahrlich verdienten Ruhestand zu wünschen.