Ernst Bruckenberger

Die stationäre Krankenversorgung nach der Gesundheitsreform 2000

Nach den Erfahrungen der letzten fünfundzwanzig Jahre markiert die Verabschiedung einer Reform den Beginn der Diskussion um die nächste. Die "Halbwertzeit" der so geschaffenen Gesetze wird immer kürzer. Es ist deshalb nur folgerichtig, wenn der Gesetzgeber zur Orientierung der Betroffenen beginnt, bei der Betitelung der jeweiligen Reform das Jahr der voraussichtlichen Geltungsdauer anzugeben sofern nicht kürzere Zeiträume beabsichtigt sind.

Die ergebnisorientierten Pragmatiker sind seit Jahren bei den Auseinandersetzungen um den Inhalt der verschiedenen Reformen Mangelware. Die Planungsideologen wurden inzwischen seit 1989 häufig durch die Wettbewerbsideologen und Gutmenschen ersetzt, bei denen mangels konkreter eigener Erfahrungen im hochkomplexen Gesundheitswesen eine "virtuelle Realität" statt der "realen Realität" Maßstab des politischen Handelns ist. Damit in Verbindung steht konsequenterweise eine ausgeprägte Neigung gegen verbindliche Regelwerke und der Glaube an die Überzeugungskraft von Modellen ("Weg mit dem Fachgesimpel").

Die ununterbrochene Suche nach neuen Reformen oder Lösungen hat den Vorrang vor der konkreten Bewältigung der gestellten Aufgaben unter den jeweils gegebenen Bedingungen. Der Kreislauf der verschiedenen Reformvorstellungen verläuft so schnell, dass keine Zeit bleibt, die Tragfähigkeit einer neuen Reform überhaupt auszuprobieren. Die laufende Flucht in Reformen erübrigt, sich mit den konkreten Ergebnissen einer Reform auseinandersetzen zu müssen. Auf diese Weise schwindet auch die Zuordnung von Verantwortung.

Die permanenten Gesundheitsreformer gleichen so — bildhaft gesehen - Steinewerfern, die laufend Reformsteine in das Meer der objektiven Bedingungen (Anspruchshaltung, medizinischer Fortschritt, Überalterung, Standardvorstellungen) werfen. Aus der Sicht des Meeres steigt bei jedem Steinwurf nur der Wasserspiegel, während die Steinewerfer aus den ausgelösten Wellen mit Hilfe einer aufwendigen Öffentlichkeitsarbeit schlussfolgern, etwas bewegt zu haben.

Die angekündigten Einsparungen werden durch die komplizierten und konfliktträchtigen Systemänderungen in Frage gestellt. Vor allem führen Unklarheiten, Anwendungsprobleme vor allem aber präventive Gegenstrategien dazu, daß zusätzliche Ausgaben entstehen, die mit dem bekannten und vertrauten alten System gar nicht entstanden wären. Aber die Sucht nach endgültigen Lösungen scheint unausrottbar. Andererseits wird damit die "wirtschaftliche Sicherung" von Politikern, Beratern und Experten auf Dauer gewährleistet.

Inhaltsverzeichnis

1. Die stationäre Krankenversorgung seit 1972
2. Ergebnisse der bisherigen Krankenhauspolitik
3. Weiterentwicklung nach der Gesundheitsreform 2000
4. Ausblick in die Zukunft
5. Anlagen (in der HTML-Version nicht enthalten*)


1. Die stationäre Krankenversorgung seit 1972

1.1 Von der föderalen zur zentralstaatlichen Kompetenz

1.2 Angebotsorientierte Krankenhausplanung der Länder von 1973 bis 1984

1.3 Parallele Planungskompetenz zwischen Ländern und Vertragsparteien 1985-1992 

 1.4 Leistungsstrukturplanung durch die Vertragsparteien

2. Ergebnisse der bisherigen Krankenhauspolitik
3. Weiterentwicklung nach der Gesundheitsreform 2000

3.1 Auswirkungen der demographischen Entwicklung

3.2 Auswirkungen des medizinischen Fortschrittes

3.3 Auswirkungen des Wettbewerbs im Gesundheitswesen

3.4 Auswirkungen des durchgängigen pauschalierten Vergütungssystems 

3.5 Auswirkungen der Krankenhausplanung

3.6 Auswirkungen der integrierten Versorgung

3.7 Auswirkungen der unzureichenden Investitionsfinanzierung

3.8 Auswirkungen der monistischen Finanzierung

3.9  Auswirkungen der zunehmenden Europäisierung

4.  Ausblick in die Zukunft

Es gibt keine endgültigen Lösungen (Popper). In einer Wettbewerbsgesellschaft werden sich sogar — dramatisch verstärkt durch die Möglichkeiten der neuen Kommunikationstechnologien - die Bedingungen der Leistungserbringung und —inanspruchnahme immer schneller ändern. Der Zwang zu verbindlichen Rahmenbedingungen wird zunehmen. Es ist deshalb zwingend geboten zukunftsweisende bzw. europaorientierte Vorstellungen bzw. Vorgaben

zu entwickeln, darüber zu diskutieren und zu entscheiden und sie umzusetzen. Die Art der Lösung dieser essentiellen Grundsatzfragen wird die Zukunft der deutschen Krankenhäuser und des gesamten Gesundheitswesen entscheidend prägen. Sollte kurz- bis mittelfristig darüber eine politische Lösung nicht erreicht werden, ist nicht auszuschließen, dass die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitswesens weniger von den Politikern als von den Gerichten, innovativen Leistungsanbietern und den Patienten selbst vorangetrieben wird.

5. Anlagen (in der HTML-Version nicht enthalten*)

*Eine vollständige Version einschließlich der Anlagen ist als PDF-Dokument ladbar.

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Hannover, März 2000